Mitgliederausstellung
-Tier-
 
  07.04. - 05.05. 2019   
     
 
Eberhard Eckerle
 
     
     
 

Eine Tierschau in Baden-Baden? Zwischen Oosforelle und Schwarzwaldhirsch gibt es ab 07. April 2019 im Alten Dampfbad allerlei Tierisches zu sehen. Bis zum 05. Mai 2019 zeigt die Gesellschaft der Freunde junger Kunst die 32. Mitgliederausstellung zum Thema „TIER“. Mehr als 100 Künstler haben sich mit ihren Arbeiten angemeldet.

Dem Tier galt schon die Aufmerksamkeit der ersten bekannten Künstler in der Menschheitsgeschichte, wie Jahrtausende alte Höhlenzeichnungen belegen. Albrecht Dürers Hase ist weltberühmt, George Stubbs und Franz Marcs Lieblingstiere waren Pferde, Tiere standen im Mittelpunkt von Joseph Beuys‘ Schaffen. Welche Aspekte ihrer Beziehung zum Tier die Künstlermitglieder der Gesellschaft der Freunde der jungen Kunst bewegen, wird erst bei der Einlieferung zu sehen sein – Überraschungen sind garantiert.

Die Gesellschaft der Freunde junger Kunst lädt herzlich ein zur Ausstellungseröffnung „TIER“ am 07.04.2019 um 11.00 Uhr in ihren Räumen im Alten Dampfbad. Zur Ausstellungseröffnung spricht Otto Jägersberg.

Zu der diesjährigen Mitgliederausstellung sind alle Künstlermitglieder der Gesellschaft der Freunde junger Kunst eingeladen, eine Arbeit zum Thema "TIER" zu zeigen. Ob Malerei oder Skulptur, Fotographie oder Druck - als einzige Rahmen-bedingung sind die maximalen Größen von 1m2 bzw. 1m3 gegeben.

 
     
     
 
 
   
  Eröffnung der Ausstellung  
 

Fotos: Liane Metzger u. Günther Lehnert

 
     
            
     
     
 


Ralf Rohrbacher-Laskowski


Rosa Prestl


Liane Metzger


Maika Maj


Axel Heil


Gebhard Lenz


Brigitte Nowatzke-Kraft


Eva Schaeuble


Ralph Fleck


Iris Weißschuh


Andrea Baumgärtner


Emanuel J. Ogrodniczeck


Wombat


Beate Rohwetter


Karoline Stock


Peter Nowack

 

Rede zur Einführung von Otto Jägersberg.

Wie der Bauer spricht:
Hasen machen großen Schaden
Krähen machen großen Schaden
Rehe machen großen Schaden
Wildschweine machen großen Schaden
Jetzt setzt das Landwirtschaftsministerium Wölfe ein
Zur Schadensregulierung. 

Bevor wir uns den Tieren zuwenden, ehren wir Eberhard Eckerle. Er zeigt heute drei Eisenplastiken zum Thema Tier in dem Kapelle genannten Raum. Die anderen Mitglieder haben nur eine Arbeit einreichen dürfen. Die Gründe: Eckerle wird geehrt als Vorsitzender der GFjK in schwieriger Zeit (1984-88). Die Gesellschaft musste damals diese Räume verlassen und in die Stefanien-Straße ausweichen.

Eckerle hat das gemeistert, gute Ausstellungen organisiert und seine Nachfolgerin Jutta Dambach-Stierle eingewöhnt. Eckerle, der Bildhauer aus dem Murgtal, ein Künstler großer Eigenart. Wir haben hier einen archaisch anmutenden Kopftisch vor dem Dampfbad, - und in der Hand halte ich einen Stock aus seiner Schmiede, eine höchst eigenwillige, bequeme, formschöne Gehhilfe. Sogar das sonst Spazierstöcken am unteren Ende angebrachte rutschfeste Element – der sogenannte Rentnerpfropf – hat hier eine Form gefunden, die die Sache verträglich erscheinen lässt. Entworfen und angefertigt von Eberhard Eckerle in seinem Atelier in der König-Fabrik in Gaggenau. Seine beiden Pferdeköpfe und ein Gerippe, die Sie in der Kapelle sehen, sind geschmiedet aus Eisenteilen, wie sie in der metallverarbeitenden Fabrik anfallen.

Eckerle ist heute nicht hier, weil er die Vernissage einer Ausstellung seiner Tochter Sophia in Berlin – die zu gleicher Zeit stattfindet – besucht.

Wir verdanken Eberhard Eckerle eine der geistreichsten und witzigsten Analysen heutigen Kunstgeschwafels, sein über hundert-Seiten- Kommentar mit dem Titel "Das Hämatom der Wörter", zum verschwurbelten Text Jean-Christoph Ammans über einen Stapel Staubtücher von Andreas Slominski.

Mitgliederausstellung der GFjK: Tiere. Ein Ranking ist nicht zu erkennen. Die Tiere kommen aufs Bild, wie sie in der Welt herumlaufen. Laut und bunt, schwarz und stumm. Orientieren sich die Mitglieder an der Kunstgeschichte, wollen sie dem Turm der blauen Pferde noch ein eigenes Werk hinzufügen, noch ein den kleinen Jesus in der Krippe bewunderndes Tier darstellen?

Keine Tendenz erkennbar. Doch ist zu spüren,  hier ist Zuneigung im Spiel, hier gar Liebe, da bekennt sich einer zur lustvollen Verwertung eines Tiers. Liebe hat viele Gesichter. Mein Lieblingstier ist das Schnitzel, sagt der ortsansässige Bildhauer.

Wer ein Tier malt, fertigt gleichzeitig ein Selbstbildnis an. Im dargestellten Tier spiegelt sich die Befindlichkeit des Künstlers, ist er des Tieres Freund, sieht er sich als Partner, ist seine Beziehung zum Tier ambivalent, begeistert, verliebt. Form und Farbe legen seine Gefühle offen.

Tiere, mit denen wir alle aufgewachsen sind:
Die Bremer Stadtmusikanten - die erste deutsche erfolg-reiche Pop-Band.
Ferdinand, der Stier - Ferdinand weigert sich zu kämpfen und sich abschlachten zu lassen. Ferdinand, der berühmteste Pazifist des Kinderbuchs.
Hans Huckebein von Busch - der intelligente Rabe, der dem Alkohol verfällt. Eine Tragödie, die sich noch heute häufig auch zwischen Intellektuellen und dem Alkohol abspielt.

Mickey Mouse, Donald Duck, Goofy, Lurchi…


Unsere erste Schule war die Häschenschule,
zu Hause hing Dürers Hase an der Wand,
döste die Katze auf dem Sofa,
scharrte ein Meerschweinchen in seinem Ställchen.

Draußen hörte ich den Hahn krähen, eine Kuh nach Wasser schreien und die Glocke des Milchmanns, der mit Pferd und Wagen vorfuhr.
Auch das Essen war meist tiernah: Eier und Speck.

Zur Biographie des Durchschnittsmenschen gehören seine tierischen Begleiter. Wo ein Mensch ist, ist auch ein Tier. Und das Kind bekommt zu hören, sei fleißig wie die Bienen, sei schlau wie ein Fuchs, stark wie ein Bär. Wenn es nicht so gut lief in der Erziehung, war man frech wie ein Spatz. Und die Hitlerjungen unter uns, erinnern sich noch an Hitlers Gebell, dass deutsche Jungs zäh wie Leder und flink wie Windhunde sein sollten.

Sehen wir uns einmal nach Tieren im Alten Dampfbad um:
Kakerlaken in den Gängen der Ursprungsquelle unterm Haus, Stinkwanzen überall, Tauben auf dem Dach, Mauer-segler unterm Dachüberhang, ein Nashorn. Das Nashorn trabt vornehmlich nachts durchs Treppenhaus. Es repräsentiert die Fantasie. Andernorts ist dafür das Einhorn oder der Narwal im Dienst. Oder denken Sie an den Tier-Zirkus, der uns in Alice in Wonderland präsentiert wird.

Kakerlaken künden von heißen Quellen, Stinkwanzen gibt es erst seit zwei Jahren, politisch motivierte Ansichten sind im Umlauf, wer sie eingeschleppt hat.

Die Tauben sind Marktplatztreu, sie finden genug essbaren Abfall. Wenn im Kirchturm nebenan Falken residieren, sind plötzlich alle Tauben verschwunden. Früher kamen sie auf Taubenfüßchen daher, waren mal Symbole des Friedens, denken Sie an Picassos Taube… Die Mauersegler kommen dieses Jahr erst am 3.Mai (achten Sie mal darauf). Hat mit dem Magnetfeld der Erde zu tun...

Interessant die Identifizierung von Staaten mit Tieren. Die Deutschen haben den Seeadler im Wappen, ein Vogel, der hier  in Baden noch nie gesichtet wurde, die Schweizer halten es mit der Kuh. Die Kuh ist der Schweizer in nuce. Bei der letzten Viehschau, die ich gesehen habe, im Thurgau, wurde die Kuh Resi ausgezeichnet, die in ihrem bisherige Leben 123.000 Kilogramm Milch geliefert hat, was in etwa 12 Tonnen Käse entspricht. Viele Nationen halten es mit Fischen im Wappen, andere mit bunten Vögeln und Greifen. Der Greif ist ein tierisches Mischwesen, meist dargestellt mit löwenartigem Leib, dem Kopf eines Raubvogels, mit Flügeln, Krallen… und gibt so auf Wappen ein eindrucksvolles Bild symbolischer Stärke und Wachsamkeit. Prächtige Tiere geben in der Kunst auch Sphinxen, Sirenen und Vampire ab.

Menschliche Interessen bestimmen Wohl und Wehe des Tieres. Wir neigen dazu, tierisches Verhalten und Aussehen mit typischen menschlichen Deutungen zu versehen. Der treue Blick des treuen Hundes verschönt den Tag und lässt uns die Treue-Verluste in unserem Leben vergessen. Die schnurrende Katze bestätigt unsere friedlichen Absichten. Das zur Fütterung heranlaufende Huhn bestätigt uns, wer Herr im Haus ist. Das Tier tut alles, um uns zu unterhalten, zu bestätigen, zu ernähren. Wir sollten öfter mal dran denken, dass wir selbst Tier sind.

Nach Professor Grzimek ist das dümmste Tier der Welt der Wombat. Der Wombat wohnt in Australien und geht den Australiern ziemlich auf den Wecker. Der Wombat unterwühlt die australischen Steppen und vertilgt die letzten Graswurzeln.

Der Zoologe Grzimek, Frankfurter Zoo, brachte einmal einen Plumpbeutler (Plumpbeutler ist der zoologische Name des Wombat) mit in das Fernsehstudio zu seiner berühmten Sendung "Ein Platz für Tiere". Der Wombat lief im Studio hin und her und Grzimek erklärte seinem Affen -  Grzimek brachte immer einen Schimpansen mit zu seiner Sendung – hier siehst du den australischen Wombat, allgemein berüchtigt, das dümmste Tier der Welt zu sein.


Ein begeisterter Zuhörer der Grzimek-Sendung war der Philosoph Theodor W. Adorno, Frankfurter Uni. Wie klug und gerissen muss ein Tier sein, dachte Adorno, um in den Ruf zu kommen, weltweit das dümmste zu sein. Adorno ließ das Phänomen dümmstes Tier der Welt keine Ruhe. Er erbat sich vom Frankfurter Zoodirektor Grzimek die Genehmigung, mit dem Wombat eine Nacht zu verbringen.

Der Wombat lebte im Frankfurter Zoo in einem dunklen Gehäuse, durch Infrarotstrahlen nur konnte man den nachtaktiven Wombat beobachten. Was heißt schon nachtaktiv, der Wombat ging einmal links die Wand entlang, dann kehrte er um, ging rechts die Wand entlang. Prof. Adorno hatte sich von seiner Frau einen sackähnlichen Anzug aus Teddybärfell schneidern lassen, den zog er nun an und ließ sich in den Käfig des Wombats einschließen.

Er ließ sich auf alle Viere nieder und kroch auf den Wombat zu. Der Wombat kümmerte sich nicht drum, lief weiter immer die Wand entlang, hin und zurück. Prof. Adorno, weiterhin auf allen Vieren, beobachtete fasziniert das Verhalten des ihn völlig ignorierenden Wombats. Eigenartig, dass das in Adornos Augen intelligente Tier mit ihm, Adorno - einem der bedeutendsten Intellektuellen der zivilisierten Welt- nicht kommunizieren wollte. Inzwischen taten Adorno vom langen auf allen Vieren krabbeln recht spürbar die Knie weh und er lehnte sich an die Käfigwand, um auszuruhen. Das störte den Wombat wohl beim Hin- und Hergehen, und er lehnte sich an Adorno, was Adorno zuerst als angenehm empfand. Dann weniger, weil der Wombat immer stärker drückte, Adorno nachgerade platt zu drücken drohte. Gott sei Dank, kam der Wärter, der die nachtaktiven Tiere im Frankfurter Zoo zu betreuen hatte, am Wombat-Gehege vorbei, sah Adorno in höchster Not und befreite ihn.


-Die Moral von dieser Geschichte kann ich nicht erkennen-.